Eine Phase habe ich von der fünften bis ca. zur neunten Klasse eindeutig verpasst: Die „Willst du mit mir gehen?“-Phase. Heutzutage dürfte die auch schon früher losgehen. Im Kindergarten vermutlich.
Bei genaueren Überlegungen stellte ich heute fest, dass ich nie ein „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen erhielt. Ich bin deprimiert. Zutiefst. Allerdings ist der Anlass, aus dem ich überhaupt darüber nachdachte, doch eher freudiger Natur.
Denn am Wochenende wurde ich für all die Enttäuschungen der Schulzeit entschädigt. Und sehr süß gefragt, ob ich mit jemandem gehen wolle. Die schelmisch lächelnd vorgebrachte Formulierung veranlasste bei mir ein sehr, sehr breites Grinsen. Den Rest des Tages lang. Ehrlich gesagt ist mir derjenige auch weitaus lieber als all meine verpickelten Schwärmereien zusammen. Gelegentlich fragt man sich doch, was man sich bei den Typen so gedacht hat…
Und immerhin musste ich so auch nicht „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen … vielleicht auch noch „Vielleicht“. Überhaupt scheinen die „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen nach jahrhundertelang überlieferten „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen-Konventionen angefertigt zu werden. Der Text: Immer der gleiche. Die Antworten: Schwankend zwischen zwei und drei an der Zahl. Weiß eigentlich jemand, was passiert, wenn man „Vielleicht“ ankreuzt? Geschlechtsunterschiede: Mädchen schreiben es auf kitschig verziertes Briefpapier, vorzugsweise mit Pferden oder in rosa, Jungs auf zerknittertes liniertes Papier, vorzugsweise die letzte Seite des Deutschheftes.
So war das zumindest zu meiner Zeit. (Auch wenn ich ja nie selbst welche bekam… ja, ich bin wirklich deprimiert.) Girls und Boys, Macker und Schlampen, mögen das mittlerweile anders machen.
Aha, große Marktlücke: Vorlagen für „Willst du mit mir gehen?“-Briefchen. Grundschema immer das gleiche, ein paar Variationen fürs Layout. Microsoft setzt es für die Computer-Kiddies um, der Klingelton-Nervtöter für die Handy-Junkies. Die Erfolgschancen (und der Profit) schauen gut aus. Immerhin kauft die Zielgruppe auch Jamba-Abos.
Ich mache es mir derweil mit meinem … hm, Mitgeher? Wie nennt man sich nach einem positiven „Willst du mit mir gehen?“-Bescheid eigentlich? Egal. Mit dem mache ich es mir jedenfalls kuschlig gemütlich. In der eigenen Wohnung. Bei Filmen mit dem Label FSK 12. Welcher Fünftklässler kann da schon mithalten.
5 Kommentare
Ich hab so was auch nie gekriegt… *heul* Meine Jugend war völlig verpatzt! *schnief*
Neben der Standard Ich-weiß-gar-nicht-was-du-von-mir-willst-Antwort “wohin denn” fehlte mir früher eindeutig die Alternative “später” oder besser noch: “später vielleicht”. Man muss sich ja die Möglichkeiten offen halten. Auch wenn ich mit diesen Zettelchen (Frauen schreiben übrigens teilweise auch sehr gern auf abgerissenes Karopapier – mag an dem Grad der Dringlichkeit liegen) nicht überhäuft wurde, durfte ich doch festestellen, dass manche jedenfalls so vorausschauend waren ein Kästchen mit einer krackelig gezogenen Linie für kreative Äußerungen hinzuzufügen.
Auf heutigen Zetteln dieser Art wird gerne auch die Option “nur ficken” angeboten, was natürlich je nach Intention und Ernsthaftigkeit überdacht werden sollte. Da gewinnt “Willst du mit mir gehen” allerdings wieder völlig neu an nicht zu unterschätzender Bedeutung: Zu mir oder zu dir?
Ich bekam letztens eine dieser Straßenpostkarten – in Rot, mit vielen Herzchen und einem abfotografierten verknitterten weißen(!) Zettel mit der obligatorischen Frage. 3 Antwortmöglichkeiten.
Ich war mir eh schon sicher, also drehte ich die Karte um: Kondomwerbung.
Der Schritt dazwischen wurde gar nicht thematisiert.
ich habe solchen einen Brief leider auch nie erhalten, aber eine damalige Freundin von mir. sie übermalte dann die 3 Antwortmöglichkiten mit einem dicken schwarzen Stift und schrieb drunter: ” gerne! einmal zur Mülltonne und zurück?”
Der typ ist ihr seitdem grundsätzlich aus dem Weg gegangen und sie hat nie wieder einen solchen brief bekommen…..
Ich kann auch nicht behaupten so ein Ankreuz-Teil jemals erhalten (oder verschickt) zu haben.
Das einzige war irgendwann mal ein Brief von zwei Mädels die mir schrieben wie ähnlich ich Mikka Häkkinen sähe, den sie ja ganz toll fänden. Naja und wie toll sie mich finden. War immerhin ganz nett, auch wenn die beiden so ca. 3 Klassen unter mir waren.
Aber auf meiner kürzlich verlebten Urlaubswoche mit hohem Brettspiel gehalt habe ich festgestellt das es diese Briefchen auch International zu geben scheint. In 2 englischen Spielen sind
[] yes
[] no
[] maybe
Zettel abgedruckt. Fragt sich ob das ganze nicht doch eher aus älteren Zeiten stammt und sich in unseren Genen festgesetzt hat. Einige von uns (offensichtlich die meisten die diesen Blog frequentieren) scheinen dieses Gen nicht zu besitzen. Ich wage mal die Theorie aufzustellen das es eben ein gewisser Atavismus ist, der wie Weisheitszähne eben nicht bei jedem Menschen mehr durchbricht.
Freut euch also, wir sind in der Evolution weiter als die internationalen Zettel-Schreiber.
Also schliesse ich mit einem Hinweis auf den grossartigen They might be giants song “Boss of me” (eventuell bekannt aus Malcolm Mittendrin).
*sing*…Yes no maybe, can you repeat the question…*sing*