Der ICE und ich.

Ich mag es, zu verreisen. Ich mag andere Orte. Und je mehr Wasser und Schönes drumrum, desto besser. So wie bei Frau L. aus K. an der F., die ich gerade für ein paar Tage heimsuche. Viel Wasser, viel Wind. Und nette Menschen, die einen ob der neuen Lebensumstände mit Prosecco am Bahnhof empfangen, Hefekuchen backen und nachts noch WLan-Passwörter rausrücken.

Besonders mag ich das Reisen an sich. Lange Flüge finde ich sehr famos. Auch Zugfahrten können sehr angenehm und genussvoll sein. Gestern mampfte ich genüsslich Oreos, während ich die vierte Staffel House schaute (ja, Herr M. aus G., ich konnte mich nicht beherrschen…) und mich über all die weißen Kopfhörer in meiner Nähe amüsierte. Aber das ist es eben: Sie können sehr nett sein. Können. Die Sache mit der Bahn ist ja nicht nur ein Klischee…

Auch gestern gesellte sich wieder ein weiterer Grund hinzu, aus dem ich die Bahn nicht ausstehen kann. Neun Minuten zum Umsteigen in Hamburg, unbeschadet und mit allem Gepäck von Gleis zwölf auf Gleis fünf zu kommen und dabei im allgemeinen Gewühl niemanden schwer zu verletzen sind schon ein paar Herausforderungen auf einmal. Wenn der Zug auch noch 15 Minuten Verspätung hat, wird die Herausforderung natürlich noch größer. Sagen wir mal: eigentlich unlösbar. Mit mir litten viele andere vor sich hin… standen Füßewippend an den Türen. Wie erlösend klang da die Durchsage: „Ihr Anschluss-ICE wartet auf Gleis 5 auf sie.“ Kaum eingelaufen, stürmten alle Anschlussbedürftigen aus den Türen und wälzten sich durch die Menschenmengen. Die natürlich ausgerechnet in diesem Moment extrem langsam war. Manche füllige und völlig grünbekleidete Dame mit roten Haaren blieb auch einfach mal mitten in der Lauftrecke stehen. Super. Selbst schuld also, wenn ich mit meinem „kleinen Köfferchen“ in sie rein renne.

Schleppen. Keuchen. Rennen. Noch mehr Keuchen.

Und kein ICE auf Gleis 5.

Dank 25 Minuten Verspätung seinerseits war der nämlich selbst noch nichtmal eingetrudelt. Eine präzisere Durchsage als „Ihr Anschlusszug wartet“ wäre da doch recht nett gewesen.

Gut, nächstes Mal werde ich auch gleich eine Verbindung suchen, bei der ich etwas mehr Aufenthalt in Hamburg habe, um auch mit etwas Verspätung in Ruhe umsteigen zu können. Im besten Fall sogar genug Zeit, um noch einen kleinen Abstecher an die Alster zu machen. Aber theoretisch sollten selbst in Hamburg zehn Minuten zum Umsteigen reichen. Und die Durchsagen könnten sie nächstes Mal doch bitte einfach präziser gestalten. Sollten, wollten, könnten… jaja, ich weiß. TROTZDEM.

3 Kommentare

  1. rstockm
    Veröffentlicht Mai 31, 2008 in 17:09 | Permalink

    Die Begeisterung für lange Reisen sinkt direkt proportional mit der Beinlange.
    Ansonsten im Bahnhof Hamburg zu empfehlen: der Fast Food Chinese – Super lecker!

  2. wortkomplex
    Veröffentlicht Mai 31, 2008 in 23:50 | Permalink

    Joa… aber über meine aktuellen 165 Zentimeter mit Schuhgröße 38/39 werde ich wohl auch nach sehr viel Fast-Food-Chinesisch nicht hinaus kommen. Deswegen könnte Reisen auch weiter Spaß machen – sofern’s die Bahn nicht so oft verbocken würde.

  3. Gronk
    Veröffentlicht Juni 1, 2008 in 14:58 | Permalink

    Ich sag ja: Bahn ist Wahn!

    Für Dienstreisen nehme ich mittlerweile wenn irgendwie möglich einen Mietwagen – man hat seine Ruhe, kann Spaß am Autofahren haben (wenn da nicht all die anderen Bekloppten auf der Straße wären…), und das beste: viele andere Autos testen.
    Irgendwann kommt der eigene Wagen ja auch mal im Rentenalter…

    Aber ich schweife ab. In einer Gruppe kann Zugreisen immer noch sehr spaßig sein, finde ich. So kann man sich gemeinsam über all die Kleinigkeiten ärgern und lustig machen ;)


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