Bausparen und Modeln

Es ist vorbei. Deutschland kann sich glücklich schätzen: Es hat noch ein Topmodel. Jedenfalls dem Namen nach, vielleicht aber sogar mal ein erfolgreiches. Pro Woche laufen nun zwei Stunden weniger Klum über deutsche Fernseher. Dank der Werbung, die sie trotzdem noch macht, dürfte ihre Nettospielzeit jetzt bei gefühlten zehn Stunden liegen. Aber zum Punkt: Das Finale von Germany’s Next Topmodel grenzte an Quälerei, fast hätte ich noch eine Flasche Pepsi light Limited Edition mojito dazu aufgemacht.

Bevor in den nächsten Tagen empörte Menschen Kommentare und E-Mails schreiben, möchte ich noch etwas vorweg schieben. GNT schaue ich grundsätzlich mit großem Vergnügen und habe diese Staffel kaum eine Folge ausgelassen. Das Konzept ist einfach fantastisch. Es hält weiblich, männlich, jung, alt, dick, dünn – einfach alle – irgendwie vorm Fernseher. Entweder weil sich daran gestoßen wird, weil es als Projektionsfläche dient oder Identifikationspunkte liefert. Oder weil die Frauen einfach nur geil sind (naja…). Wenn ich groß bin, möchte ich auch mal die Idee zu so einer Show haben. Und auch Heidi Klum mit zig Werbeverträgen und noch zigeren Millionen bewundere ich durchaus.

Allerdings fordere ich die Zwangsscheidung von Heidi Klum und Seal. Diese Doppelvermarktung und -auftreterei kann sich ja keiner mehr mit ansehen. Oder hören. Dazu kamen platte Wortwitze und böse Grammatik gleich nach abgelutschtem, schlecht abgemischtem Seal-Song und peinlichem Klum-Einlauf. „Peyman, was war dieses Mal anders als wie die ersten beiden Staffeln?“ Und zu Rolfilein: „Wie fühlt man sich denn so nach dem ersten Mal?“ *zwinkerzwinker*

Leider war die gleich folgende Jade-Werbung für eine neue Wimperntusche denn auch denkbar ungünstig platziert. Sowohl bei „endlich klum[p]frei“ wie auch bei „kein verklum[p]en mehr“ blendete mein strapaziertes Hirn automatisch den einen entscheidenden Buchstaben aus. Auch die mittlerweile obligatorische Quizfrage zu Werbebeginn war liebevollst clever gewählt. „Was bekommt die Siegerin? Einen Bausparvertrag? Oder einen Modellvertrag?“. Meine Prognose: Läuft ihre Karriere ebenso unglaublich hammermäßig erfolgreich wie die ihrer Vorgängerinnen, wäre sie mit Bausparen besser dran.

Kleiner Exkurs an dieser Stelle: Besagte Vorgängerinnen, Lena Gercke (heute 20) und Barbara Meier (noch 21), wurden für die Backstage-Moderation recycelt. Für eine wirklich schlechte Backstage-Moderation. Geprägt von Sätzen wie: „Die drei haben ganz tolle Rokoko-Kostüme an. Die sehen ganz toll aus.“ Toll. Gut, dass diese Einspieler kurz und selten blieben. Oder auch nicht. Denn in der übrigen Zeit sang Seal. Und wenn der nicht sang, wurde Monrose rausgeholt. Für sie gab es zum Abschied einen völlig uneinstudierten, spontanen, vor Begeisterung überbordenden Peyman-Satz: „Schon wieder ein Ohrwurm von Monrose. Letztes Jahr hatten wir ja Hot Summer.“

Aber zurück. Auf Jennifer Hof (17), Janina Schmidt (24) und Christina Leibold (21) wartete natürlich der Modelvertrag. Und die, zumindest mit großen Worten versprochene, internationale Topmodel-Karriere. Jenny mit den 1,13-Meter Beinen – die so wirkt, als wären die Extremitäten zu lang zum Kontrollieren. Janina mit der Laufsteg-Natur – die aussieht, als brauche sie zum Modeln erst eine Augenpartie-Straffung. Und Christina, das kleine süße Bambi – die trotz von Schmatzschmatz-Heidi propagierter Totalwandlung einfach immer noch schaut, als sehe sie zum ersten Mal einen Spiegel.

Wer nun argumentiert, die Dame mit den längsten Beinen hätte gewonnen, liegt schlicht mal völlig daneben. Nicht dass die beiden anderen Finalistinnen schlecht waren, genug Aufträge hatten sie ja an Land gezogen. Schon alleine ihr Alter ist allerdings ein internationales K.O.-Kriterium, auch ihr Aussehen dürfte in der großen weiten Welt floppen. Haben wir nach Staffel eins und zwei schon erlebt. Jenny hingegen wurde im Verlauf der dritten Staffel bereits auf den angesagten Agyness Deyn-Look gedrillt. Sie ist soeben 17 geworden. Sie ist formbar. Sie kann noch zum Laufsteg-Modell ausgearbeitet werden. Und so ist es die einzige richtige Konsequenz aus den vergangenen Staffeln – und den daraus resultierenden unglaublich hammermäßig erfolgreichen Karrieren -, dass sie gewonnen hat.

Zum Schluss muss ich zugeben: Ich kannte die Ergebnisse, seit einigen Wochen kursieren sie im Netz. Schon alleine deswegen ersparte ich mir dieses Jahr die kleine Weiberrunde dazu und beschäftigte mich mit Uni-Krams und – passenderweise – Formen des internationalen Terrorismus. Dabei haben wir Übung. Selbst zu Gülcans Traumhochzeit gab es ein Prosecco durchtränktes Event. Aber die war auch spannender. Sebastian Kamps hätte doch noch „Nein!“ sagen und schreiend weglaufen können. Selbst SPONk wusste schon vorab, was bei GNT-Sache ist – und gibt das auch zu. Keine zehn Sekunden nach dem Ergebnis stellte ein fleißiger Praktikant schon den richtigen Artikel online. Sogar ohne das ganze Internet zu löschen.

P.S.: Wenn schon nicht Zwangsscheidung, dann doch wenigstens die vernünftige Überlegung, was im Rahmen und was zu viel Family-Booking ist.

3 Kommentare

  1. silencer137
    Veröffentlicht Juni 6, 2008 in 06:41 | Permalink

    Jennifer Hof? War das die, die irgendwie wie P!nk aussieht?

  2. wortkomplex
    Veröffentlicht Juni 6, 2008 in 09:06 | Permalink

    Die Assoziation kam mir jetzt noch nicht so… aber wo du’s sagst. Ich bleibe aber dabei, dass sie Agyness Deyn nachahmen soll. Es sprechen derzeit zwar alle von Klum’scher Reproduktion, aber die Heidi ist nunmal gerade kein klassisches Topmodel und eher ein phänotypisches Auslaufmodell. Jenny wird jetzt noch ein paar Kilo abgemagert, ihre Beine werden auf dem Papier noch wachsen und ihr wird ansonsten der Mund verboten. Dann könnte das klappen.

  3. Gronk
    Veröffentlicht Juni 6, 2008 in 10:47 | Permalink

    Du hast das wirklich geguckt, oder? Ei ei ei…

    Na ja, da du jetzt donnerstagabends Zeit hast, kannst du ja mal die Katze und ihre beiden Untermieter besuchen ;)


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