Ärzte. Ich habe ein recht gespaltenes Verhältnis zu ihnen. Beruht aber auf Gegenseitigkeit – haben sie zu mir nämlich auch. Als 13-Jährige wälzte ich während einer nicht ganz so schönen Lebensphase dicke Medizinlexika. Und löcherte hinterher mit entsprechendem Halbwissen meine ach so kompetenten Götter in Weiß. Zwar haben sie mich gesund bekommen. Worin sie auf jeden Fall gar keine Kompetenz hatten, war der Umgang mit einer jungen Patientin, die wissen möchte, was mit ihr passiert. Antworten gab es recht selten. Und wenn dann genervte. Okay, ein bisschen wie heute auch noch in normalen Gesprächen, wenn ich neugierig werde…
Ohnehin drücke ich mich also recht gerne um meine eigentlich regelmäßig zu absolvierenden Arztbesuche. Und noch lieber drücke ich mich um den Augenarzt. Der hat für mich ungefähr die gleiche Qualität, wie der Zahnarzt für andere. Kleines Trauma eben. Meine erste Brille habe ich mit circa 20 Monaten bekommen. Und seitdem einige verschlissen, verloren, gehasst und einfach nicht aufgesetzt. Alleine schon diese komischen Untersuchungs-Gerätschaften, die grundsätzlich immer so aussehen, als wären sie Relikte aus Vor-Weltkriegszeiten. Und dann noch diese vollkommen beknackten Tollkirsch-Tropfen, nach denen man einen Tag aussieht als wäre man einem Manga entsprungen.
So war auch mein heutiger Besuch eher halb unfreiwillig. Neue Brille muss her. Wenigstens habe ich einen lieb-reizenden, knuffigen Onkel Doktor gefunden, der eigentlich – eigentlich! – ganz sympathisch ist. Dankenswerterweise wurde ich aber mit den Worten begrüßt: „Ach, mein Lieblingsproblemfall.“ Hm, danke. Ich würde auch lieber noch eine Runde Kaffeetrinken. Sie Blödmann.
Ganz furchtbar wird es, wenn es ans Ausprobieren verschiedener Stärken geht. Zylinder, Prismen, whatever. „Jetzt besser? … oder jetzt?“ Keins von beidem gut. Sehe mit beidem alles verschwommen. „Oh.“
„Und jetzt?“ Ja, jetzt wird die Unschärfe deutlicher.
„Ist jetzt die obere Reihe zu lesen?“ Nein, seit 22 Jahren nicht. Erst weil ich die Buchstaben nicht konnte, dann, na ja… Seitdem noch keine Augen-Wunderheilung.
„Och ja, hat sich nichts geändert. Immer noch genauso schlecht wie vorher.“ Ah ja.
„Aber wundert mich nicht, dass sie die 2,5 Dioptrin auf dem einen Auge auch mal wegdrücken können. Ihr Organismus ist ja auf dem Leistungshöhepunkt. Haben Sie schon über Kinder nachgedacht?“ Hmhm. Bin ich hier beim richtigen Arzt?
„Ich schreibe Ihnen mal einen Roman auf die Gläser-Verordnung. Damit Sie das Finanzamt ärgern können.“ Immerhin. Hohe Anisometropie. Steht auf dem Zettel. Ähä. ICH weiß noch, was er damit meint. Aber ob der Finanzamtmensch auch in Medizinlexika gestöbert hat? Und mich deswegen die Brille (für die man sich locker auch einen Zweit-Apple kaufen könnte), fröhlich absetzen lässt? Ich glaube nicht.
Mehr demnächst. Wenn ich beim Optiker leide. Und die Welt verschwimmt. Dank erster Gleitsichtbrille.
Ein Kommentar
Gleitsicht? Klingt irgendwie nach Gleitzeit.
Wird dein Blick über die Welt dann auch noch dahingleiten, wenn sie steht?