Mein Vorschlag für “Sex and the City – der Film II”: Ein Gedichtband. Schön zusammengestellt, tatsächlich herausgegeben und gut vermarktet. Wobei letzteres den Machern nicht fremd sein dürfte, die Maschinerie läuft – im Film und außerhalb. Gedichte sind da fast schon zu ideell. Trotzdem steuere ich Rainer Maria Rilke bei.
Liebes-Lied
Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
Seit Schulzeiten neben “The Road Not Taken” von Robert Frost und Gedicht XV aus den Veinte poemas de amor y una canción desesperada von Pablo Neruda nach wie vor eines meiner liebsten Gedichte. Der Grund, mir damals eine Sammlung von Rilkes-Gedichten zuzulegen, die derzeit wieder auf meinem Nachttisch liegt.
Und damit das Ganze viel spaßiger wird, gebe ich es weiter. Als Stöckchen (ouhouhou… mein erstes und sehr sicher letztes eigenes). An Frau L. aus K. an der F. natürlich, die nun ihr eigenes Lieblinsggedicht ausgraben kann. Auch an Herrn Uniwave würde ich das rein theoretisch weitergeben, wenn ich mir nicht recht sicher wäre, dass er Stöckchen ignoriert.
7 Kommentare
zu satc sage ich nur: http://www.spreeblick.com/2008/07/08/sex-and-the-city-we-children-from-bahnhof-shoe/
Unfassbar:
[...]“und Charlotte wird schwanger, weil sie ein süßes Adoptivkind hat. Das „Weil“ kann ich schreiben, weil wir uns in der Kausalitätenwelt der Frauenmagazine befinden. Haare ändert man, weil man verlassen wurde, fett wird man, weil man unglücklich ist (was übrigens der einzige Moment des Film ist, in dem sich Entsetzen in den maskenhaft geschminkten Gesichtern der Darstellerinnen zeigt: Samantha hat eine Speckrolle), schwanger wird man, weil man adoptiert hat, Sonnenbrillen trägt man, weil man leidet, mit Sushi belegt man sich, weil man ficken will.”
[...]
Das ist mal eine wirklich kluge Passage, hier sieht man wieder wo das traditionelle Feuilleton kläglich versagt.
Von den Beiträgen meiner Vorredner möchte ich jetzt doch mal das Gespräch ganz elegant in Richtung Neruda lenken. Hier die einzig wahre Übersetzung zu dem wirklich sehr schönen Poema XV:
Du gefällst mir, wenn du schweigst, denn dann bist du wie abwesend,
und hörst mich aus der Ferne, und meine Stimme berührt dich nicht.
Es scheint, als seien deine Augen fortgeflogen
Und als hätte ein Kuss deinen Mund verschlossen.
Da alle Dinge voll von meiner Seele sind,
tauchst du, voll von meiner Seele, aus den Dingen auf.
Schmetterling der Träume, meiner Seele gleichst du,
und du gleichst dem Wort Melancholie.
Du gefällst mir, wenn du schweigst und wie entfernt bist.
Und dich wiegend wie ein Schmetterling, als ob du dich beklagtest.
Und du hörst mich von ferne, und meine Stimme erreicht dich nicht:
Lass mich mit deinem Schweigen verstummen.
Lass mich mit deinem Schweigen zu dir sprechen,
Hell wie eine Lampe, schlicht wie ein Ring.
Du bist wie die Nacht, stumm und sternerleuchtet.
Dein Schweigen ist wie ein Stern, so weit entfernt und einfach.
Du gefällst mir, wenn du schweigst, denn dann bist du wie abwesend.
Entfernt und leidvoll, so als wärst du tot.
Ein Wort, ein Lächeln genügen dann.
Und ich bin glücklich, glücklich, dass es nicht so ist.
Dankeschön, meine Liebe! :-*
Ich bin schwer (und nachhaltig) begeistert und würde jetzt glatt in einen Liebesgesang auf dich einsetzen! Meine Spanischkenntnisse sind doch eher so… nicht vorhanden…, meine Schulzeiterinnerungen ein bisschen her und schöne Übersetzungen waren online auf die Schnelle etwas schwierig zu finden.
Ich bin übrigens der Meinung, dass manche Poesie Schrägstrich Geschichten nur für ihre Ursprungssprache bestimmt sind. So auch hier…
Geschätzter Herr C.! Hay que aclarar algunas cosillas… Estoy absolutamente de acuerdo con Ud. en cuanto a la calidad general de una traducción literaria. Se trata siempre de una interpretación tergiversando el original de manera más o menos aceptable. Son raros los casos de traducción fiel, propicia y adecuada que puedan transmitir al lector las ideas verdaderas y despertar en él las mismas sensaciones que despertaría el original. Sin embargo, no hay otro remedio que el recurso a la traducción cuando el lector no domina el idioma en el que fue escrita la obra. Esto es el caso de nuestra estimada bloguera, que sin la traducción nunca habría conocido a Neruda y su poesía. Qué de belleza se habría perdida… Por eso opino que la traducción esté autorizada para cualquier género literario, incluso para la posía, a condición de que el traductor se dé el esfuerzo de hacerla con más fidelidad al original y más intuición lingüística. Ahora ¡senténcieme! Un saludo.
Vale-