Gastbeitrag von Silencer
Psssssst… hey, ja, du… pssssssssssst. Nicht so laut, hey! Eigentlich bin ich doch noch mind. 24 Stunden nicht hier… aber psssst: nicht verraten.
Tja, zu spät. Nun haben es alle mitbekommen.
Gestatten, Silencer mein Name. Ich bin hier gerade der Blogwart.
Habe mich eben durch die Hintertür reingelassen und muss sagen: Tatsache, niemand hier. Weder Frau Wortkomplex noch das Wiesel.
So, und nun? Alle Leute der Blogroll hierhin einladen und Party machen? Ach, nein – das wäre unfair. Es soll hier ja nicht aussehen wie auf einem Schlachtfeld, wenn die eigentliche Autorin dieses Blogs zurückkommst. Niemand mag Schmuddelblogs, in deren Ecken man noch Krümel und alte Socken findet.
Nun gut, dann nutze ich die Zeit und schreibe hier mal über etwas Relevantes. Natürlich auf die Vorlieben von Frau Wortkomplex zugeschnitten, damit zumindest ein klein wenig Kontinuität vorhanden ist. Also, über was könnte ich mal schreiben?
Hm. Schlimme Bürodialoge? Neue Gadgets? Promis vielleicht?
Eine Anregung könnte ich mir vielleicht in der, von Wortkomplex geschätzten, “Van.ity Fair” holen. Obwohl, eher doch nicht. Ich kann mich daran erinnern das Ding auch mal gekauft zu haben, aber NUR weil eine DVD mit einem Hepburn-Film drin lag. In einem unbeobachteten Moment habe ich dann auch mal ins Heft geschaut. Und war doch etwas irritiert.
“Va.nity Fair” geht nämlich so:
Das Heft besteht zu gefühlten 97 Prozent aus Bildern von mehr-oder-weniger schönen/wichtigen Leuten oder schweineteuren Dingen-die-kein-Mensch-braucht, schön in Hochglanz fotografiert. Meistens steht “Anzeige” drüber, das ist die Werbung. Manchmal steht das nicht drüber, das soll dann der redaktionelle Teil sein.
Was mich letztlich so irritiert hat war der, verschwindend geringe, Anteil an Texten und deren unglaublich niedriger Informationsgehalt. Auf den ersten Seiten habe ich noch gedacht: OK, das sind die Teaser, die Artikel kommen auf den nächsten Seiten. Und dann kam – nüscht. Den kleinen Teasertextchen kann man praktisch dabei zusehen wie sie vor Angst zittern, weil sie sich in den luftigen Weiten des Layouts verloren haben und von übermächtigen Bildern bedroht werden. Und das war´s auch schon. Bitte gehen Sie weiter, mehr gibt es bei der Va.nity Fair nicht zu sehen.
Das trifft natürlich auch auf 90 Prozent der anderen, uh, Frauenzeitschriften da draußen zu. G.ala, Bun.te, Brigi.tte und wie sie alle heißen, leben vom Eskapismus ihrer Käuferinnen. Die weltbesten Kochrezepte geben sich darin die Hand mit Stylingtips, das Ganze wird vermischt mit vermeintlich berichtenswerten Meldungen aus der Welt der A- bis F-Promis. Der verbleibende Raum wird mit Psychotests, In & Out-Listen und Horoskopen gefüllt, die sich irgendein Praktikant in der Mittagspause aus den Fingern gesaugt hat. Oder Lebenshilfe, ja, Lebenshilfe ist auch ganz groß: “Die 100 besten Tips wie zur Yak-Haltung in Tibet” oder so.
Ich würde wetten, daß, selbst wenn die Leserin von tibetanischen Yakhirten gefoltert würde, sie sich schon fünf Minuten nach der Lektüre nicht mehr an den “100 Tips”-Artikel erinnern könnte.
Faszinierend ist, dass sich das Phänomen “Frauenzeitschrift” durch alle Altersgruppen zieht. Was den jüngeren die Leserinnen die “Bravo Girl” ist meiner Oma “Das goldene Blatt”. Da fühlt sie sich nach der Lektüre immer bestens informiert. Zwar nur über frei erfundene Vorgänge in irgendwelchen Königshäusern, die es in der wirklichen Welt nicht gibt, aber wenigstens hat sie das ein Stündchen von ihren Rückenschmerzen abgelenkt.
Eskapismus, wie gesagt. Gerade die Hochglanzheftchen spiegeln das wieder, was “Sex and the City” auf Mattscheibe und Leinwand bebildert hat: eine nichtexistente Parallelwelt, ein La-La-Land, in dem vermeintliche Menschendarsteller herumstolpern deren Leben, Lieben und Probleme von den Redakteurinnen jede Woche neu geschrieben werden. Man umgibt sich mit Lebenstipps, Labels und Lachscarpaccio (den drei großen L) und ist sich ansonsten selbst genug, so lange sich nur genug Anzeigen für Labels und Lachscarpaccio unterbringen lassen
Ach, wenn ich es mir recht überlege, schreibe ich lieber doch nichts über Promis.
Der Beitrag ist auch so schon wieder viel zu lang geworden.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
6 Kommentare
Hmm. Also Brigitte erfreut sich seriöser Beliebtheit – und das m.E. nicht ganz zu unrecht.
Also ich stimme dem Silencer zu…
Und oute mich auch als Young und Joy und etc. Leserin – Titelzeilen wie “So denken Männer wirklich” kriegen mich doch jedes Mal wieder dran. :) Nette Badewannenlektüre ist es allemal.
Und ein Lob an die Hausherrin noch: ich mag die große Schrift im Kommentarfeld. Schön wenn ich einmal nicht meine Äuglein zusammenkneifen muss, um zu erkennen was ich da von mir gebe!
Dankeschön fürs Lob – ich mag es nämlich auch nicht so klein. Und Kommentarkommunikation im Blog ist ja nunmal das A und O.
Strg + bzw “Apfel” + vergrössern die Schrift im Browser.
Fällt mir aber auch immer erst ein, wenn die Stirn den Monitor berührt.
Und gegen Fett-/Makeup-Flecken auf dem Monitor und für mehr Lesefreundlichkeit von Hause aus (ich bin ja schließlich selbst halb blind… meine Stirn ziert derzeit ein riesiger Kratzer, weil ich gegen etwas gelaufen bin…) dachte ich, mache ich gleich mal die Schrift größer :-)
strg+ mausrad vergrößern die Schrift auch. zumindest im FF. Am Wissen mangelt es ja nicht, aber es ist schon nett wenn man mal was tippsen kann, ohne was zu verstellen. fällt halt positiv auf, wenn man mal was zu lesen bekommt, was man auch ohne zusammenkneifen/fettflecken am monitor/strg (apfel) drücken erkennen kann!
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